VAJA

Akzeptierende Jugendarbeit mit rechten Cliquen
Zielgruppe der Arbeit von VAJA sind Jugendliche, die als rechtsextrem orientiert bzw. rechtsradikal bezeichnet werden und/oder durch extrem intolerante Verhaltensweisen im Sinne von Gruppen-bezogener Menschenfeindlichkeit auffallen.

Die Arbeit ist aufsuchend, d.h. sie findet dort statt, wo sich die Jugendlichen aufhalten. Dies können neben Spielplätzen, Parkbänken und Einkaufszentren auch alle anderen Orte im öffentlichen Raum sein, die von Jugendlichen als Treffpunkte genutzt werden. Das Team Akzeptierende Jugendarbeit mit rechten Cliquen arbeitet im gesamten Bremer Stadtgebiet. Die langjährige Erfahrung der Akzeptierenden Jugendarbeit im Umgang mit rechtsextrem orientierten Jugendlichen hat gezeigt, dass sich diskriminierende Einstellungen, intolerante Mentalitäten, fremdenfeindliche Gewalt und selbstzerstörerische Verhaltensmuster oft erst dann ändern, wenn die Jugendlichen andere, positivere Strategien der Lebensbewältigung kennen lernen und diese für sich als sinnvoller erachten. Dieser Prozess sowie die Entwicklung von Eigenverantwortung und Wertschätzung anderer wird von den MitarbeiterInnen begleitet.
Die Arbeit mit rechten Cliquen und die Auseinandersetzung mit rechtsextrem und menschenfeindlich orientierten Einstellungsmustern hat klare Grenzen. Diese sind beispielsweise erreicht wenn Jugendliche radikal ideologisiert und politisiert sind oder Jugendarbeti für rechtswidrige Zwecke oder rechtsextreme Interessen instrumentalisiert wird.
Den Jugendlichen Grenzen zu setzen bedeutet nicht, sie auszugrenzen oder ihnen mit Verboten zu begegnen. Im Mittelpunkt der Arbeit mit rechten Jugendcliquen steht eine offensive Konfrontation der Jugendlichen mit anderen Konfliktlösungsstrategien, Denkweisen und Lebensmustern durch die PädagogInnen. Die Akzeptanz des Gegensätzlichen ist Ausgangspunkt von Einmischungs- und Veränderungsprozessen. Akzeptierende Jugendarbeit begleitet in der praktischen Arbeit ausschließlich Jugendliche, weil sie in dieser Lebensphase nach Orientierungen suchen und in der Regel noch kein festgefügtes rechtsextremes Weltbild haben. Durch das Erweitern von Handlungs- und Erfahrungsspielräumen sowie das Initiieren und Aufrechterhalten des Dialoges mit den Jugendlichen werden Veränderungsprozesse möglich. Grundlage ist dabei eine vertrauensbildende Beziehungsarbeit. Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus, Sexismus und andere Elemente von Rechtsextremismus bzw. Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit können in diesem langfristigen Prozess wirkungsvoll reduziert werden. Häufig werden rechtsextreme Einstellungen und Verhaltensweisen dadurch gefördert, dass sich Jugendliche von ihren Familien, den Gleichaltrigen, ihrem Stadtteil oder der Gesellschaft insgesamt wenig anerkannt oder sogar ausgegrenzt fühlen. Akzeptierende Jugendarbeit mit rechten Cliquen hat deshalb insbesondere zum Ziel, eine (Re-)Integration der Jugendlichen zu erreichen. Der Erfolg demokratischer Partizipationsformen ist Voraussetzung für eine Distanzierung zum rechtsextremen Spektrum.

Die Arbeitsschwerpunkte der Akzeptierenden Jugendarbeit mit rechten Cliquen unterliegen auch jugendkulturellen und gesellschaftspolitischen Einflüssen. Darüber hinaus müssen Veränderungsprozesse der rechtsextremen Szene und neue Strategien ihrer Organisationen und ProtagonistInnen in der praktischen Arbeit berücksichtigt werden. Unter dem Titel Distanz(-ierung) durch Integration wurde deshalb im Jahr 2004 eine konzeptionelle Weiterentwicklung der Akzeptierenden Jugendarbeit erarbeitet und veröffentlicht, die seitdem vom Team umgesetzt wird. Begleitet wurde dieser Transfer durch eine dreijährige externe Evaluation - die bundesweit erste dieser Art für pädagogische Arbeit mit rechtsextrem orientierten Jugendlichen - die Prof. Kurt Möller von der Fachhochschule Esslingen durchführte.
Die Erfahrungen und das Wissen über rechtsextreme Jugendkultur werden von den MitarbeiterInnen zudem dafür genutzt, Eltern und Angehörige von rechtsextrem orientierten Jugendlichen zu beraten.