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DIE WERFT-Kulturelle Arbeit und Integration

Ein Theaterprojekt für die Justizvollzugsanstalt Wiesbaden
Straftäter rekrutieren sich vornehmlich aus Milieus, die von sozialen Desinte-grationsprozessen besonders betroffen sind. Abwertungen anderer sogenannt sozial schwacher Gruppen erwachsen häufig einem Reflex auf eigene Statusbedrohung. Insofern treffen sich rechtsextreme Einstellungen mit chauvinistischen und religiös-fundamen-talistischen Haltungen wie auch mit frauenfeindlichen Reflexen, was sich zur Herausbildung gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit verdichten kann. Das Theaterprojekt möchte in dem schwierigen Umfeld einer JVA möglichst unmittelbar und für viele sichtbar intervenieren.
Nach der Rekrutierungsphase werden die unmittelbaren Teilnehmer an der Materialauswahl beteiligt sowie in Rollen-besetzungen einbezogen. Gleiches gilt für Diskussionsprozesse um Aufführungsorte und Zeiten sowie die Weiterentwicklung der Stücke. Aus der Zusammenarbeit heraus werden Feedback-Prozesse gesteuert, welche den Teilnehmern widerspiegeln, wie weit sie durch Aneignung kultureller Kompetenzen in die Lage versetzt werden etwa

  • Leistungspotentiale zu entdecken und Anerkennung zu erfahren
  • Demütigungserfahrungen situationsangemessen zu bewältigen
  • Scham-Wut-Komplexe aufzulösen und das eigene Handlungsrepertoire auszuweiten
  • Alternativen zu rein subkulturellen Ausdruckformen und Verhaltensweisen zu entdecken und sich Zugänge zu anderen gesellschaftlichen Schichten zu erschließen.

Bei der Materialauswahl werden Aspekte emanzipatorischer Männerarbeit aufgegriffen und für die Positionierungs- und Ausgrenzungsmechanismen der Haftsituation modifiziert. Die Teilnehmer erleben ihr eigenes Tun als selbstwirksam, für die interessierte Öffentlichkeit ergibt sich die Chance, Risikogruppen über deren Entwicklungspotentiale wahrzunehmen.
Die Aufführungszyklen im Jahr 2012 hatten unterschiedliche Versionen des selbstentwickelten Stücks "Antikörper" zum Inhalt. Im fiktiven Krisenjahr 2013 sieht sich die Regierung zur Bewältigung sozialer Unruhen gezwungen, alle Beamten der Gefängnisse in Deutschland abzuziehen. Die nun sich selbst überlassenen Gefangenen errichten daraufhin eine eigene, abgeschottete Gesellschaft. Das Stück selbst behandelt den Tag der Beendigung des Experimentes: Nach 7 Jahren verspricht ein Regierungsbeauftragter den Gefangenen die Freiheit. Die zunächst vehement verteidigte gerechte Ordnung der Männergesellschaft zerbricht zusehends an den Hoffnungen und Wünschen Einzelner. Beschwörungen von Zusammenhalt und Stärke entlarven sich als individuelle Furcht vor einer Freiheit, in der gewordene Persönlichkeit unter stetem Risiko des Scheiterns sich bewähren muss.
Im Jahr 2013 wird in der JVA Wiesbaden ein für das Theaterprojekt ständig zur Verfügung stehender Aufführungsort gestaltet. Folgende Projektsegmente DER WERFT werden kontinuierlich umgesetzt:

  • Dock 1: Eigeninszenierungen zum Hauptthema der Spielzeit "Der Mann, die Frau, der Krieg", offen für Gefangene, MitarbeiterInnen, Gäste und externe Gruppen.
  • Dialoge: Lesereihe, in der jeweils eine KünstlerIn gemeinsam mit einem Gefangenen einen Text vorträgt.
  • Liveskype: Videobotschaften von Haftentlassenen an Inhaftierte mit Skypevorschaltungen.
  • Haileitz: Auftritte (szene-)bekannter Künstler, Musiker, Literaten.

Projektträger: Förderverein JVA Holzstraße e.V.
Gesamtkonzeption und Projektbegleitung: Dr. Lutz Klein
Projektdurchführung: Fa.-Dechow Freie Partner unter der Leitung von Arne Dechow

Kontakt:
www.foerderverein-jva-holzstrasse.de