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© Porapak Apichodilok, Pexels

 

Praxisforschung

Diskriminieren Mädchen (anders)? Praxisforschung zu GMF und Abwertungen unter einer Geschlechterperspektive

 

In den letzten Jahren wurden geschlechterreflektierende pädagogische Ansätze in der Rechtsextremismusprävention zunehmend diskutiert und finden sporadisch Eingang in die Praxis. In einer aktuellen Praxisforschung[1] versuchen wir den Ansatz, im Sinne einer primären und sekundären Prävention, hin zu Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit (GMF) und gruppierungsbezogenen Ablehnungen auszuweiten. Die Praxisforschung (2015 – 2019) ist Teil des Strukturprojektes, welches vom Bundesprogramm „Demokratie leben!“, der Freudenbergstiftung und der Dreilinden gGmbH gefördert und in Kooperation mit der Alice Salomon Hochschule Berlin, Prof. Esther Lehnert, durchgeführt wird.

Im Fokus stehen dabei weniger rechtsextreme Orientierungen als weit verbreitete gruppierungsbezogene ablehnende Haltungen von Jugendlichen. Wir versuchen damit Antworten auf zwei Fragen zu geben: Wie kann eine Arbeit gegen GMF in der Praxis aussehen? Und was bedeutet das unter einer Geschlechterperspektive?

Dazu führen wir Interviews mit Fachkräften oder Teams der offenen Arbeit, in Mädchen*arbeit und Jungen*projekten sowie der Außerschulischen Bildungsarbeit durch, zusätzlich Gruppendiskussionen mit Mädchen und Jungen zu ihren Erfahrungen mit Abwertung bzw. Diskriminierung.

Uns interessiert vor dem Hintergrund einer geschlechtlichen Sozialisation zum Beispiel, welche „geschlechtsspezifischen“ Formen und Funktionen wir in Abwertungen finden (ohne Mädchen* und Jungen* zu vereinheitlichen). Welche Relevanz haben bei Mädchen Weiblichkeitsanforderungen in Abwertungen, zum Beispiel Vorstellungen von Moral, von Fürsorge oder Verhaltenserwartungen? Welche Rolle spielen Vorstellungen von Männlichkeit, die Abwehr von Weiblichkeit und Homosexualität für Jungen? In welchem Kontext stehen Abwertungen von Mädchen zum gesellschaftlichen Geschlechterverhältnis, in dem soziale Arbeit stattfindet und durch welches die Lebenswelt der Mädchen und Jungen strukturiert wird? Denn meist geraten im GMF-Konzept - wenn überhaupt - nur direkt geschlechtsbezogene Abwertungen wie Sexismus oder Homo-/Transfeindlichkeit in den Blick und werden pädagogisch „bearbeitet“. Geschlecht durchzieht jedoch alle anderen Facetten und Elemente, diese sind immer „gegendert“.

Schließlich interessiert uns praktisch, was Regelangebote der Jugendarbeit von geschlechtsbezogenen bzw. –sensiblen Angeboten und derem pädagogischem Umgang auch mit Fokus auf den Umgang mit Abwertungen lernen können. Wir machen deren Erfahrungen für präventive Ansätze nutzbar, nehmen Best-Practice auf und entwickeln Konzepte, Strategien und Standards der Arbeit gegen Abwertungen und Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit weiter.

 

Kontakt: Enrico Glaser, Fachstelle Gender und Rechtsextremismus, enrico.glaser@amadeu-antonio-stiftung.de

 

Veröffentlichungen zur Praxisforschung

Glaser, Enrico (2017): Diskriminieren Mädchen (anders)? Abwertende und diskriminierende Mädchen – Fragestellungen und Perspektiven für die Praxis. Schriftenreihe der LAG Sachsen 28/2017.

Lehnert, Esther (): Mädchen* und Frauen* im modernen Rechtsextremismus. BAG Mädchenpoltik, Schriftenreihe zur Mädchenarbeit und Mädchenpolitik 16/2017 (PDF-Dokument).


[1] Die Praxisforschung ist Teil eines durch das Bundesprogramm „Demokratie leben!“, durch die Freudenbergstiftung und die Dreilinden gGmbH geförderten Projektes der Amadeu Antonio Stiftung und wird in Kooperation mit der Alice Salomon Hochschule Berlin, Prof. Esther Lehnert, durchgeführt.