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Antisemitismus

Antisemitismus in queeren und feministischen Zusammenhängen

Antisemitismus ist kein Alleinstellungsmerkmal der extremen Rechten in Deutschland. Es hat, wie manche andere Facetten der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit, vielfach eine starke Kitt-Funktion indem es unterschiedliche gesellschaftliche und politische Milieus verbindet. Als Fachstelle ist es uns wichtig auch Ungleichwertigkeitsvorstellungen in feministischen und queeren Communitys zu thematisieren.

Unserer Einschätzung nach haben antisemitische Positionen generell, aber auch in feministischen und queeren Zusammenhängen  in den letzten Jahren zugenommen. Sie sind insbesondere dann anschlussfähig, wenn sie mit einer sehr starken Identitätspolitik einhergehen und mit Wertvorstellungen, die im Namen von Antirassismus und Antikolonialismus verfasst sind, mittransportiert werden. Debatten um Israel spielen hier eine zentrale Rolle. In queeren Zusammenhängen tritt dies besonders zu Tage, wenn einseitig Israel der Vorwurf des Pinkwashing gemacht wird. Der Vorwurf besagt, dass Israel mit seiner liberalen LGBT*IQ-Politik von der vermeintlichen „Unterdrückung“ der Palästinenser_innen ablenken würde. Dieser Vorwurf des Pinkwashing ist fast immer nur auf Israel gemünzt. Es geht also nicht darum generell Kritik an einer Instrumentalisierung einer queeren Szene zu Tourismuswerbung zu formulieren, sondern nur darum weitere Communitys für eine Agitation gegen Israel zu gewinnen.

Wir als Fachstelle thematisieren Antisemitismus in all unseren Arbeitsbereichen und versuchen durch Vernetzung, Empowerment und Aufklärung Antisemitismus, auch in queeren und feministischen Zusammenhängen, entgegenzuwirken.  Als Fachstelle organisieren wir zu dieser Thematik Fachaustausche und unterschiedliche Formen der Vernetzung. Zudem sind wir auch beratend tätig, sowohl für Einzelpersonen als auch für Organisation.

 

Hintergrundartikel:  Die Debatte um Israel und »Pinkwashing« in der LSBTI-Szene (PDF-Dokument, 1.8 MB) (aus „Man wird ja wohl Israel noch kritisieren dürfen, Amadeu Antonio Stiftung [Hrsg.], 2012)

 

Kontakt: Jan Riebe, Referent im Bereich Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit (GMF) und „Arbeit gegen Antisemitismus“, jan.riebe@amadeu-antonio-stiftung.de